Homepage von Dr. Burkhart Veigel in Berlin

Fluchthilfe über die innerdeutsche Grenze

Tunnel der Girrmann-Gruppe in der Bernauer Straße Oktober 1962
Tunnel der Girrmann-Gruppe in der Bernauer Straße (Oktober 1962)

Herzlich willkommen auf meiner Internet-Seite zum Thema Fluchthilfe. Dieses Thema - gemeint ist natürlich die Fluchthilfe über die innerdeutsche Grenze, über die Berliner Mauer, von 1961 bis 1989 - soll hier in den nächsten Jahren durch eigene und fremde Beiträge dargestellt werden; ich möchte aber auch eine Gelegenheit schaffen, dass sich Betroffene hier treffen, sich kennen lernen und ihre Erfahrungen austauschen. Hierzu habe ich ein Forum eingerichtet.

Die Hintergründe

Ich war selbst Fluchthelfer von 1961 bis 1970 und habe mit meinen Freunden zusammen ca. 650 Bürger der DDR in den Westen geholt, vor allem mit Pässen, aber auch mit umgebauten Autos und über Alliierte. „Nebenbei“ habe ich an der FU, der Freien Universität in West-Berlin, Medizin studiert, habe nach dem Staatsexamen in Berlin hier auch als Mediziner gearbeitet, bin dann aber 1969 nach Hannover gezogen, weil meine Frau mit unserem ersten Kind Angst vor einer Entführung hatte (davor war ich bei zwei Entführungsversuchen ohne Schaden davongekommen).

Warum ich meine Freiheit und z.T. mein Leben riskiert habe, um unseren Landsleuten zu helfen, obwohl ich als Schwabe keinerlei persönlichen Bindungen an die DDR hatte, hängt vor allem wohl damit zusammen, dass ich mich schon früh unabhängig von meinem Elternhaus gemacht habe und Freiheit für mich einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Deshalb komme ich nach einem Leben als voll engagierter Orthopäde in eigener Praxis und als EDV-Entwickler in Stuttgart, als Ehemann, Vater von drei Kindern und jetzt sechs Enkeln nach meiner Berentung gerne zurück auf „mein“ Thema. Aus diesem Grund bin ich 2007 wieder nach Berlin gezogen, um über Flucht und Fluchthilfe zu schreiben.

Dabei möchte ich Einiges aus dieser Zeit in West-Berlin, aber auch in der DDR und in Ost-Berlin, wieder sichtbar machen, solange die Zeitzeugen noch leben und berichten können. Ich möchte beschreiben, wie die Menschen aus Ost und West auf den Bau der Mauer reagiert und welche Wege in die Freiheit sie gesucht haben. Ich möchte festhalten, was uns damals bewegt hat, bevor diese spannende Zeit in Vergessenheit gerät, und ich möchte über den Idealismus und das Engagement vieler Menschen in Ost und West berichten, über den Mut vieler Flüchtlinge, sich auf ein so gefährliches Unterfangen einzulassen, bei dem weit über 100 Menschen allein in Berlin den Tod gefunden haben. Auch die Unterschiede der Systeme, die in Berlin konkurrierten, und das Unrecht der SED-Diktatur und der Stasi sollen beschrieben werden.

Dazu habe ich ca. 100 Interviews geführt mit Flüchtlingen, Fluchthelfern und Spitzeln. Und ich habe mich akribisch informiert über die Geschichte der beiden deutschen Staaten seit der Teilung Deutschlands 1945. Daraus ist ein Bild entstanden, das sehr viele Facetten hat. Mein Buch "Wege durch die Mauer - Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West" musste deshalb etwas größer ausfallen. Aber ich habe einen Verlag gefunden, der mich inhaltlich wie in der Form sehr gut unterstützt hat. Und meine Freunde, vor allem viele andere Fluchthelfer und Flüchtlinge, haben teilweise sehr aktiv an dem Buch mitgearbeitet.

Als "Vorläufer" habe ich im Sommer 2010 ein Buch über Uwe Johnson, "Ich wollte keine Frage ausgelassen haben", bei Suhrkamp herausgegeben. Wir haben im Frühjahr 1962 seine spätere Frau "herausgeholt", in den Westen gebracht, und dazu gab es noch Texte, die bisher nicht veröffentlicht waren. Auch das sehe ich sehr positiv, weil auf diese Weise Uwe Johnson und der Suhrkamp-Verlag quasi als Schutzheilige hinter mir stehen.

Aber jetzt ist mein neues, mein großes Buch über unsere Fluchthilfe auf dem Markt! Ich hoffe, dass ich viele Leser finde, die dem Inhalt zustimmen. Wenn nicht, bitte ich um Nachricht, was ich in den nächsten Auflagen verbessern könnte!

Wiedersehen

Diese Internetseite soll aber auch eine andere, ganz wichtige Funktion erfüllen:
Ich habe noch Kontakt zu vielen ehemaligen Mitarbeitern. Genau so viele andere sind aber aus meinem Blickfeld verschwunden, und erst recht sehr viele Flüchtlinge, die wir ja damals nur herübergeholt haben, ohne ihren weiteren Lebensweg zu verfolgen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ganz viele Betroffene und Interessierte über diese Möglichkeit bei mir melden würden: E-Mail: info@fluchthilfe.de

  • z.B. die Marlis Krüger aus dem Studentendorf, Haus 23/203, die mir psychisch und als Helferin so viel geholfen hat; oder
  • die Heinke B. aus Laasphe; oder
  • den Horst T., geb. 24.11.1936, dessen Flucht-Unterlagen ich noch hier liegen habe; oder
  • den Manfred R., der am 10.4.1962 angeblich an der Grenze angeschossen wurde; oder
  • Flüchtlinge, die über die Kanalisation in der Gleimstraße oder in der Esplanade in den Westen kamen; oder
  • Flüchtlinge, die im Frühjahr 1962 und im Herbst 1963 bei den Touren nach Skandinavien verhaftet wurden (diese Verhaftungen gehen auf einen Spitzel zurück; ich habe alle Akten über diesen Spitzel, aber ohne die Namen der Geschädigten); oder
  • alle Flüchtlinge, die heute keinen Kontakt mehr zu ihren Fluchthelfern haben, und das dürften 95% sein; usw.

Dabei brauchen Sie die Stasi wirklich nicht mehr zu fürchten. Natürlich verwende ich auch die Unterlagen der Jahn-Behörde, schon der zeitlichen Zuordnung wegen. Aber entscheidend sind diese Akten für mich nicht. Denn über die menschlichen Tragödien, über das Schicksal der Betroffenen, sagen sie wenig aus in ihrem verqueren Kauderwelsch. Mir geht es nicht um Zahlen und wenig um Politik, sondern um die Menschen, um die Atmosphäre der damaligen Zeit und den Willen Vieler, sich gegen Willkür und Diktatur zu wehren.

Vielleicht wundern Sie sich, dass Sie von mir noch nichts vorher gehört haben, wenn ich jetzt mit so viel Engagement für die Freiheit eintrete. Dabei hatte die Stasi Aktenschränke voll über mich und meine "Untaten" - aber nur bis 1963, als ich einem Spitzel aufsaß. Nach 1963 ist mir praktisch nie mehr etwas schief gegangen, sicher auch, weil ich nach der Geschichte mit diesem Spitzel extrem vorsichtig geworden war. D.h., nach 1963 tauche ich in den Akten der Stasi nicht mehr auf; in meiner Karteikarte ist nur vermerkt: "soll das und das gemacht haben" etc..

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir zusammen ein Stück deutscher Geschichte schreiben könnten, das genauso wenig wie der Widerstand im "Dritten Reich" oder die Vorbereitung der Wiedervereinigung durch die Sprechchöre "Wir sind das Volk" in Vergessenheit geraten darf! Ich freue mich also auf Ihr Lebenszeichen und Ihre Mitarbeit!

Ihr

Burkhart Veigel (alias "Schwarzer")

 

P.S. Einige der Notizen, die ich mir schon gemacht habe, darf ich Ihnen unkorrigiert zum Lesen geben (in Beiträge), um Sie vielleicht anzuregen, ähnliche "ungeschliffene" Beiträge zu schreiben und hier zu veröffentlichen (im Forum). Es wäre schön, wenn wir auf diese Weise in den nächsten Jahren möglichst viel "Material" ansammeln könnten und wenn wir auch möglichst viele Namen und Adressen von Beteiligten erhalten würden.